:: Road to Banjul ::

Tag 6 : Larache – irgendwo 70 km südlich von Meknès

Blogged in Allgemein by Adrian · 23. August 2010, 09:33

Tag 6 : Larache – irgendwo 70 km südlich von Meknès ??? km
Tag 6: Larache - irgendwo 70 km südlich von Meknès
Wir hatten schon am Abend vorher mit den Teams „Øltanker“ (159), „Elke Pohn“ (202) und „Gourmetfizza“ (204) abgemacht, dass wir dem Tross nicht wie geplant nach Marrakesch folgen wollten, sondern einen Abstecher nach Meknès machen und anschließend über den mittleren Atlas fahren wollten. Erst Abends wollten wir in Marrakesch bei den Anderen ankommen.
Unsere erste Nacht in den Zelten war bitter kalt gewesen. Man hört es ja immer wieder, dass es in Afrika nachts kalt sein soll, aber auf eine derartige Kälte waren wir nicht vorbereitet! Als wir früh morgens vor Kälte zitternd erwachten, zeigte das Thermometer unter 10°C! Unsere Zelte waren tropf-nass vom Tau.
Larache In The Morning
Ich nutzte die Langsamkeit der Anderen und spülte die erbeuteten Waschmittelkanister von Tag 1 mit der „Arnold-Schwarzenegger“-Methode aus. Ker, taten mir nachher die Arme weh!
Gegen 10 Uhr verließen wir den Campingplatz. Da niemand uns fragte und auch keine Kasse erkennbar war, sparten wir die Platzgebühr. Während Antje Richtung Meknès fuhr, schrieb ich den Bericht über den gestrigen Tag. Die Straßenverhältnisse haben, glaube ich nicht wesentlich zur Lesbarkeit meiner Handschrift beigetragen.
Zu unserer Belustigung auf der Fahrt, trug eine „Esel-Waschanlage“ am Wegesrand bei. Dort standen ein halbes Dutzend Esel um einen Brunnen und wurden von ca. 7-10 Frauen gewaschen. Hätte ich das Auto-Shampoo mal nicht ausgespült…
In Meknès angekommen, stellten wir die Autos auf einem Parkplatz ab und Jan vom Team „Øltanker“ handelte mit dem Aufseher aus, das dieser 20 Dirhams (ca. 1,80€) sofort und 30 weitere später, wenn unsere Autos unversehrt sein würden, bekommen sollte.
Danach machten wir uns auf in die alte Sultanats-Stadt.
Bab Mansour
Rebecca vom Team „Gourmetfizza“ hatte einen Lonely Planet dabei und gab unsere Fremdenführerin. Das missviel natürlich den lokalen Fremdenführern sehr, welche uns auf Schritt und Tritt verfolgten.
PB120158
Rebecca führte uns in die Suqs fern ab der eh schon spärlichen Touristenströme.
Die kleinen Gassen beherbergen die jeweiligen Handwerkszweige und Händler.
Spice Souq
Die Metallbauergasse war erfüllt vom Gebrutzel der Schweißgeräte; in der Schlachtergasse war die Luft von leckerem Grillduft erfüllt; in der Bäckergasse wimmelte es vor Wespen; die Drechsler- und Schreinergasse bot tolles traditionelles Handwerk mit reich verzierten Stühlen und Schränken. Die Gasse der Fischhändler hingegen, musste man mit angehaltenem Atem durchgehen… So muss es bei Verleihnix gerochen haben.
Gegen 15 Uhr hatten wir alle Hunger und kehrten in einem traditionellen Restaurant ein, welches der Lonely Planet empfahl. Es befand sich kein Schild an der Tür des äußerlich normalen Wohnhauses. Wir trauten uns dennoch zu klopfen und man bat uns herein.
Als einzige Gäste erwartete uns ein Anblick wie aus 1001 Nacht: Schummriges Licht, rohe Lehmwände, dicke Teppiche und Kissen, reichhaltige Mosaikarbeiten und hohe Decken mit toll verzierten Stützbalken.
Schwitzten wir vorher noch bei über 30°C, so froren wir hinter diesen dicken Mauern.
One Thousand And One Nights
Da niemand von uns in der Lage war, die Speisekarte zu lesen, ließen wir den sehr netten Wirt uns einfach etwas zusammenstellen. Nachdem er unsere Bestellung aufgenommen hatte, teilte er uns mit, dass das Essen nur aus frischen Zutaten, welche sie jetzt für uns besorgen würden, bestehen würde. Sie würden keine vorbereiteten Speisen servieren. Es solle daher eine Stunde dauern, bis das Essen fertig sei. Er sagte weiterhin, dass wir in dieser Zeit uns gerne auf den Kissen zum schlafen legen könnten, oder aber auch das Restaurant verlassen könnten um weiter die Stadt zu besichtigen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Hühnchen, welches wir später aßen, zu diesem Zeitpunkt noch fröhlich gackerte.
In diesem Restaurant machten wir dann unsere erste Bekanntschaft mit der afrikanischen Zeitauffassung. Erst gegen 18 Uhr (also 3 Stunden später!!) wurde das Essen serviert.
Als Vorspeise gab es eine Suppe, welche undefinierbar schmeckte mit frischem Fladenbrot.
Der Hauptgang waren verschiedene Platten mit der marrokanischen Variante der „Köttbullar“ und scharfer Soße (wie ich sie schon in der afghanischen Botschaft kennengelernt habe), Hähnchenschenkel mit Gemüse auf Kuskus, Hähnchengeschnetzeltes im Teigmantel mit Zimt und Puderzucker (überraschend lecker!), sowie warme Dörrfeigen- und pflaumen.
Den Nachtisch bildete süßer Pfefferminztee mit atom-süßem Gebäck.
Ich hatte große Bedenken, ob ich das Essen vertragen würde. Insbesondere das Huhn machte mir Sorgen vor Salmonellen. Bisher ist mein Magen aber schön ruhig.
Eigentlich wollten wir am selben Tag ja noch die Serpentinen nach Marrakesch bezwingen. Da es aber über unser Essen dunkel geworden war, war uns die Strecke zu gefährlich. Unser Plan war daher, den Zeltplatz in Meknès zu finden und erst am nächsten Tag weiter zu fahren. Der Platz in Meknès befindet sich keine 500 Meter vom Königspalats.
Um ihn zu erreichen, musste man sogar über einen der Vorhöfe des Palastes fahren. Es war ein toller Anblick!
Bassin de l'Agdal At Night
Leider hatte der Campingplatz geschlossen. Ein Einheimischer meinte aber, dass 25 km zurück und 60 km in Richtung Marrakesch jeweils Zeltplätze wären. Zurück wollten wir nicht, also fuhren wir durch die sternklare Nacht Richtung Marrakesch. Natürlich war der zweite Platz auch geschlossen. Der Polizist, den wir nach Alternativen fragten, wusste keinen weiteren Platz. Wir beschlossen daher irgendwo versteckt am Straßenrand zu übernachten.
Als wir von der Straße zum ersten mal abfuhren, übersahen wir leider einen im Graben liegenden Stacheldraht! Unsere Eier hatten wahrscheinlich nur aufgrund unserer Wüstenschlitten Glück und verhedderten sich nicht.
Team „Elke Pohn“, das hinter uns fuhr, erwischte es schlimmer. Der Draht wickelte sich um ihre Vorderräder, sowie die Aufhängungen.
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Erst der vereinte Einsatz von Seitenschneidern, Taschenlampen und roher Gewalt befreite sie wieder.
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Ein paar Kilometer weiter, gab es wieder eine verlockend aussehende Stelle. Wir fuhren in einen kleinen Hohlweg, um hinter einer Bruchsteinmauer die Autos und Zelte vor neugierigen Blicken zu verstecken.
Kaum hatten wir jedoch angehalten, bemerkten wir einen Toyota Pick-Up, welcher hinter uns in den Weg eingebogen war. Darin saß (wie sich später herausstellte) Ismail, der lokale Schaf-Baron. Er fragte, was wir auf seinem Land wollten. Wir erzählten ihm in unserem gebrochenen Französisch unsere Trauergeschichte. Er meinte daraufhin, dass wir ihm folgen sollten. Wir dürften gerne auf seinem Land übernachten, er wüsste aber eine bessere Stelle zum zelten.
Er führte uns weiter von der Straße weg zu einer ebenen Fläche. Mehr konnten wir in der tief schwarzen Nacht nicht erkennen. Wir errichteten eine klassische Wagenburg mit unseren Autos in deren Mitte wir unsere Zelte aufbauten.
Corral
Uns allen war sehr mulmig zumute, konnten wir doch Ismails Geste nicht ganz einschätzen. Sollte dies die viel zitierte arabische Gastfreundschaft sein, oder eine der vielen Geschichten aus Marokkos Hinterland, die mit ausgeraubten Touristen endet? Am nächsten morgen sollten wir es wissen. So oder so….

Tag 5 : Torremolinos – Larache

Blogged in Allgemein by Adrian · 14. August 2010, 08:35

Tag 5 : Torremolinos – Larache ??? km
Tag 5: Torremolinos - Larache
Wir haben es ausnahmsweise fast pünktlich los geschafft! 7:07 Uhr rollten wir vom Hof. Langsam bekamen wir Routine.
Der Weg nach Algeciras war nur ein Katzensprung. Jedoch sollte uns ein Navigationsfehler zum Verhängnis werden. Kaum biegt man einen Kreisverkehr zu früh ab, schon landet man auf einer Mautstrecke… Natürlich wollte uns die Dame im Kassenhäuschen nicht ohne zu zahlen wenden lassen. So mussten wir pro Auto 0,85€ zahlen und, nachdem wir 20 Meter weiter umgedreht hatten, wieder 0,85€ für den Rückweg berappen. Auf dem letzten Meter ging also unser „0€-Maut-Plan“ in die Hose… „ambitious but rubbish“…
Der Fährhafen selbst, war leicht zu finden. Der Ableger nach Tanger jedoch nicht. Wir irrten für ca. 20 Minuten im weitläufigen Hafengelände umher, um dann schlussendlich zufällig richtig zu landen.
Mit großer Befriedigung stellten wir fest, dass wir mit die Ersten vom Rallye-Tross am Fähranleger waren.
Arriving In Time
Unsere Streckenwahl am Mittelmeer entlang war also ein rund um voller Erfolg! Tobias hatte tolle Arbeit geleistet!
Da wir schon um 9:30 Uhr am Anleger waren, unsere Fähre aber erst um 12 Uhr ablegen sollte, beschlossen Tobias und ich noch Sprit für Cobra II und uns zu besorgen. Nach kurzer Diskussion schätzten wir unseren Bedarf auf 96 Dosen Bier. Um die Ausgewogenheit unserer Ernährung sicher zu stellen, kauften wir San Miguel, Supersol-Hausmarke und Cruz Campo. Alles natürlich pfandfrei. Wir waren gespannt, ob der Vorrat reichen würde, bis wir muslimisches Gebiet wieder verließen und ob wir es durch die jeweiligen Grenzkontrollen geschmuggelt bekommen würden. Die anderen Rallye-Teilnehmer waren da sehr skeptisch.
Passend zum beladen des Schiffs waren wir wieder zurück am Anleger.
Boarding The Ferry
Kaum hatte unser Seelenverkäufer gen Afrika abgelegt, ging die Nachricht um, dass wir uns auf dem falschen Schiff befänden….
Als die Orgas, welche die Zoll- und Einreiseformalitäten für uns erledigen sollten, auf die Fähre wollten, war diese schon voll und sie mussten auf die Nächste warten…
In der Konsequenz machten wir schon auf der Fähre erste Erfahrungen mit afrikanischer Bürokratie: Wir mussten 30 Minuten für ein Formular anstehen, das jeder anders interpretierte und ausfüllte.
Customs
Der Inhalt schien den Grenzbeamten aber egal. Hauptsache, er konnte alle seine Stempel benutzen!
Das alles tat der Stimmung aber keinen Abbruch und so warfen wir voller freudiger Erwartung die letzten Blicke auf den europäischen Kontinent.
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Im Hafen von Tanger empfing uns eine Meute von „Schleppern“, welche einem bei den Zollformalitäten behilflich sein wollten. Es war teilweise ein echter Spießrutenlauf. Am effektivsten erwies es sich, sein Auto zu verlassen und in einer Gruppe zwischen den Fahrzeugen zu verharren. Hier sahen wir auch zum ersten Mal das Team „Bayern“, welches mit ihrem Magirus Deutz FM 130 D9 FA die schwerste Konkurrenz für unsere Eier darstellte.
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Nach über 2 Stunden und mit Hilfe der inzwischen eingetroffenen Orgas durften wir endlich noch mehr Zettel und Durchschriften ausfüllen (natürlich wieder ohne Plan) und endlich Tanger, dass Tor Afrikas betreten!
Ab nun war alles anders!
Wenn die Kreisverkehre in Spanien schon chaotisch waren, dann war der Verkehr ab Tanger die Ausgeburt eines Irren im Fieberwahn! Es herrscht totale Anarchie, welche lediglich der Regel „Insch Allah“ („so Gott will“) folgt:
„Wenn Gott will, dass mich jemand tot fährt, dann passiert es auch. Egal ob ich vor dem überqueren der Straße gucke oder nicht. Also brauche ich auch nicht zu gucken.“
Sobald man sich als Europäer dieser Mentalität anpasst und jegliches Fahrschulwissen über Bord wirft, verliert der höllische Verkehr einiges von seinem Schrecken.
Ich schreibe diese Zeilen übrigens gerade, während Antje mit ca. 100 km/h Eselkarren und frei laufende Ziegen umkurvt…
Da wir von Tanger aus nach Larache nicht die Mautstraße nehmen wollten, mussten wir uns ohne Roadbook durchschlagen. Unser eigenes endete ja mit Europa. Ab jetzt waren wir auf die Orgas und unsere Straßenkarten angewiesen. Nach einigem suchen fanden wir ein paar Rallyeteilnehmer, die wussten, wo der Campingplatz sein sollte.
Dort angekommen schlugen wir schnell unsere Zelte auf und gingen an das Projekt des Abends:
Cobra I vom Dachgepäckträger befreien!
Ich hatte mir überlegt, dass die beiden Ersatzräder vom Dach und die Klappstühle auch anders unter zu bringen sein müssten. Zur Belustigung der Umsitzenden spielten Tobias und ich dann stundenlang 3-D-Tetris mit dem Gepäck, bis wir mehr als genug Platz geschaffen hatten. Wir erwarben uns an diesem Abend den Spitznahmen als „Die, die so gerne packen“.
Antje erwärmte uns in der Zwischenzeit zwei leckere Dosen Gulasch-Nudeltopf. Gegen 22:30 Uhr waren wir mit unserer Umräumaktion fertig und in einem feierlichen Akt flog der Träger vom Dach. Ab jetzt gings oben offen durch Afrika!
Anschließend gingen wir noch eine Runde über den Zeltplatz und inspizierten die ersten Opfer unter unserer Konkurrenz.
Ein Landrover hatte in Frankreich einen der Nissan Patrol angestupst.
PB120148
Rallyeinterne Blessuren quasi.
Ein anderer Patrol war mit Getriebeschaden ausgefallen (es ging nur noch in der Geländeuntersetzung vorwärts) und die Jungs schraubten bis tief in die Nacht um ihn wieder flott zu bekommen.
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Auf unsere gelungene Umpackaktion gab es noch ein paar Dosenbier und dann krochen wir kaputt aber sehr zufrieden in unsere Schlafsäcke.

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